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aristoteles

Aristoteles

Zeittafel

384 v. Chr. Geburt auf Chalkidike

367 Eintritt in die Akademie Platons in Athen, zu nächst als Schüler

348 Tod Platons. Gründung einer eigenen Schule

336 Thronbesteigung Alexanders III.

322 Tod in Chalkis

Aristoteles Tugendethik

Aristoteles beschreibt in der „Nikomachischen Ethik“ das Streben der Menschen. Das Werk bildet in der Antike den Ursprung der Tugendethik. Seine Funktion besteht im Versuch, die Moralphilosophie mit der Tugendethik zu erklären.

Anthropologische und handlungstheoretische Grundlagen

Aristoteles Ansatz für seine Tugendethik setzt am Handeln an. Er findet heraus, dass jedes Handeln und Wissen nach einem Gut strebt. Doch was ist das höchste Gut? Aristoteles bestimmt die Eudaimonia als Ausgangspunkt zur Untersuchung des höchsten Guts.

Eudaimonia

Das eudaimonia ist der Ausgangspunkt der Untersuchung des höchsten Guts. Das Glück wird hier zunächst formal bestimmt als das höchste Gut. Das Ziel der Menschen sei es nach dem Glück zu handeln und zu leben. Nach Aristoteles gibt es Uneinigkeit darüber, was als Glück verstanden wird. Die Leute aus der Menge haben ein andere Vorstellung davon was Glück ist als die Gebildeten. Es unterscheiden sich daher drei unterschiedliche Lebensformen und Prinzipien wie das Glück verwirklicht und realisiert wird:

1. Das Leben der Lust: genußorientierte Lebensform

Diese Auffassung des Lebens bewertet Aristoteles als die Schlechteste.

2. Das politische Leben: politische Lebensform

Hier wird der Mensch als soziales und politisches Wesen verstanden (zoon politikon). Aktive Menschen, die etwas zur politischen Gemeinschaft beitragen, wählen als Ziel die „Ehre“. Aristoteles äußert sich dennoch kritisch gegenüber der Ehre: die Ehre als Lebensziel scheint eher ein Beweis von seinem eigenen Können an sich selbst zu sein, als ein wirkliches Glücksgefühl.

3. Das Leben der Theorie: kontemplative Lebensform

In der letzten Lebensform plädiert er für das theoretische Leben. Für ihn ist das Leben des Theoretikers und des Philosophen das Beste. Es ist selbstverständlich, dass diese Art von Gutheit mehr Gewicht hat als Ehre. Im betrachtenden Leben beweist sich das Glück als etwas, was abschließend und autark ist.

Mithilfe des „ergon-Arguments“ wird erklärt aus was das Eudaimonia besteht.

Das "ergon-Argument"

Das „ergon-Argument“ bestimmt das Glück und beschreibt unter welchen Bedingungen wir das Glück erreichen. Das griechische Wort ergon bedeutet spezifische Aufgabe oder Funktion und wird hier so beschrieben, dass die Menschen ihren spezifischen ergon erfüllen. Das Leben eines Menschen ist besser, wenn er das ergon gut ausfüllt. Es gilt nun, diese eigentümliche Fähigkeit in möglichst guter Weise zu verwirklichen. Dazu führt er dieses Argument an:

(1) Die spezifische Funktion des Menschen gilt als Maßstab für die Beurteilung des Gutseins.

(2) Die spezifische Funktion des Menschen ist eine Tätigkeit entsprechend seiner eigentümlichen Vernunft.

(3) Die Tugend bewirkt, dass das Vernunftvermögen des Menschen auf idealster Weise realisiert werden kann.

(K) Das Gute für den Menschen sind die Tätigkeiten im Sinne der Tugend.

Das ergon des Menschen liegt in seinem Vernunftvermögen. Das Leben eines Menschen ist besser, wenn er vermehrt vernünftig tätig ist. Der Begriff Tugend bezieht sich darauf, dass wenn etwas seine Funktion gut erfüllt. Somit lösen die Tugenden die Erfüllung des Vernunftvermögens aus. Das für den Menschen höchste Gut ist demnach das tugendhafte Leben.

Tugenden

Die Tugenden sind im allgemeinen Sinne, die besonderen Fähigkeiten und Charakteristika eines Menschen seine spezifische Aufgabe oder Funktion (sein ergon) zu erfüllen. Die Tugend des guten Menschen funktioniert also so, dass er in der Lage sein sollte seine Aufgabe als Mensch möglichst gut zu verwirklichen.

Die Tugenden selbst werden mithilfe von durch Erziehung und Gewöhnung lobhaften Tätigkeiten als stabile Charakterdisposition in der menschlichen Seele erworben. Die Tugenden können dadurch eingeteilt werden:

Verstandestugenden

Das sind die durch die Erziehung erworbenen lobhaften Charakterzüge des rationalen Seelenteils. Es sind die Tugenden der Erkenntnis, die zur Wahrheit führen:

  • Vernunft
  • Weisheit
  • Klugheit

Charaktertugenden

Das sind die durch die Gewohnheit erworbenen lobhaften Charakterzüge des irrarationalen Seelenteils. Es sind die Tugenden der Leidenschaften und Lust:

  • Willen
  • Tapferkeit
  • Gerechtigkeit

Die Tugenden als gewöhnliche Charakterzüge können als Orientierung dienen die Mitte zwischen Zuviel (Übermaß) und Zuwenig (Mangel) zu wählen.

Urteilskraft zur moralischen Bildung

Das griechische Wort phronesis bedeutet Klugheit und Urteilskraft. Weil das Erreichen genuin praktischer Ziele nichts dem Handlungsvollzug Externes ist, ist die praktische Ausführung auch nur bedingt der technischen Anleitung fähig und bedarf deshalb einer von der Technik unterschiedenen Form des Wissens, der Urteilskraft.

Der phronesis macht das gute Handeln möglich, indem sie in der konkreten Situation dem Handelnden die ethisch relevanten Merkmale erschließt. Die Klugheit als eine mit Überlegung verbundene wahre Disposition des Handelns, die sich auf das bezieht, was für den Menschen gut oder schlecht ist.

Probleme der Tugendethik

  1. Naturalistischer Fehlschluss: Kann man von der Natur des Menschen darauf schließen, wie wir uns verhalten sollen?
  2. Beruht die Tugendethik auf der Annahme einer sozial geteilten Vorstellung des Guten?
  3. Ein guter Mensch ist nicht unbedingt auch ein glücklicher Mensch, so dass also die Bestandteile der eudaimonia auseinanderfallen können

Die politische Gemeinschaft und die Idee der Bürgerfreundschaft

aristoteles.txt · Zuletzt geändert: 2021/01/12 23:29 von peter