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John Locke

Zeittafel

1632 Geboren am 29. August in Wrington

1642 Beginn des Englisches Bürgerkrieges (English Civil War)

1664 Acht Essays über das Naturrecht

1688/89 Glorious Revolution; Es erscheinen seine wichtigsten Werke:

  • Epistola de Toleranta (Toleranzbrief; anonym veröffentlicht)
  • Two Treaties of Government (Zwei Abhandlungen über die Regierung; anonym veröffentlicht)
  • Essay Concerning Human Understanding (Essay über den menschlichen Verstand)

1704 Gestorben am 28. Oktober

Die Idee der Menschenrechte

In der Zeit der Englischen Bürgerkriege und den andauernden Glaubenskonflikten in England, hat Locke selbst die Idee eines Regierungssystems konzipiert, die von freien Menschen als legitim anerkannt werden. Ausgangspunkt für diese Idee sind die Menschenrechte die aus dem Naturzustand (wie bei Hobbes und Montesquieu) entstehen.

Anders als bei Hobbes, ist Locke der Auffassung, dass die Menschen im Naturzustand frei und gleich sind. Die Gesellschaft besitzt bereits genuin normative Rechte und Pflichten, d.h. die Menschen „sollen“ die Rechte aller beachten. Dieses sogenannte Naturrecht ist dazu da Ansprüche des Einzelnen zur Geltung zu bringen:

„Im Naturzustand herrscht ein natürliches Gesetz, das jeden verpflichtet. Und die Vernunft, der dieses Gesetz entspricht, lehrt die Menschheit, wenn sie sie nur befragen will, daß niemand einem anderen, da alle gleich und unabhängig sind, an seinem Leben und Besitz, seiner Gesundheit und Freiheit Schaden zufügen soll.“ (TG II, § 6)

In seiner weiteren Darstellung befasst sich Locke immer mehr mit dem Recht auf Eigentum. Einerseits mit dem Ansprüchen an Privateigentümern, andererseits mit dem Begriff der Rechte, die wir besitzen. Das Eigentum ist nämlich vorstaatlicht existent und dient somit als Grundlage des Eigentums an der eigenen Person und Arbeit.

Zwischen moralischer und kapitalistischer Wirtschaft

Der Lockesche Vorbehalt besagt, dass jeder, der an der äußeren Natur arbeitet, das Recht hat es zu seinem eigenen Eigentum zu machen, solange für alle anderen in gleicher Quantität und Qualität etwas übrig bleibt. Er stützt diesen Vorbehalt mit der Verderbnisklausel: der ursprüngliche Besitz (Natur) des Menschen muss produktiv verwendet werden und darf nicht verdorben werden.

Die moralischen Argumente stehen wechselseitig mit seinen kapitalistischen Argumenten in Beziehung. Nach dem Vorbehalt gibt das Privateigentum Anreize für eine produktive Nutzung, die die Lebensstandards für alle verbessert. Nach der Verderbnisklausel ist die kapitalistische Akkumulation moralisch gesehen akzeptabel, denn Geld verdirbt nicht.

Vom Naturzustand zum Kriegszustand

Locke ist trotz seiner liberalen Ansicht der Auffassung, dass Krieg im Naturzustand unvermeidbar ist. Grundlage für das Einhalten der Rechte und Pflichten im Naturzustand ist die Sanktionstheorie der Moral. Demnach soll das Fehlverhalten durch Sanktionen eingegrenzt werden. Das Problem: es fehlt eine streitschlichtende Autorität. Denn jeder könne als Richter und Exekutor in eigener Sache fungieren und so maßloses Strafen missbrauchen. Das Politische Gemeinwesen stellt hier die Lösung dar.

Das politische Gemeinwesen

Aus dem Naturzustand als Ausgangssituation konzipiert Locke die Idee eines Regierungssystems, die von freien Menschen als legitim anerkannt werden. Denn jeder Mensch kann vom Naturzustand in die politische Gemeinschaft übergehen, wenn diese eine implizite und explizite Zustimmung ausdrückt:

  • Implizit: Stillschweigende Unterwerfung unter den Gesetzen
  • Explizit: Ausdrückliche Zustimmung des Eintritts in politischer Gemeinschaft, die unwiderruflich ist

Aus der Zustimmungserfordernis der Menschen erfolgt noch keineswegs eine demokratische Staatsform. Locke betont hier eher den Auschluss des Absolutismus.

Aufgabe des Staates ist der Schutz des (naturrechtlich gerechtfertigten) Eigentums. Locke bildet hier für seine Zeit eine gut entwickelte, aber aus heutiger Zeit eine noch nicht ganz entfaltete Gewaltenteilung:

Es existieren zwei Gewalten: die Legislative und die Exekutive. Die stärkere Macht besitzt die Exekutive, die unter anderem die Judikative inne hat und zugleich über föderative (außenpolitische) und prärogative Gewalt besitzt. Besonders ist die prärogative Gewalt. Denn die Exekutive ist somit zuständig für außergewöhnliche und außergesetzliche Umstände und kann das Parlament einberufen und gegebenenfalls auflösen. Jedoch stellt das ein Problem dar: die Exekutive kann sich außergewöhnliche Umstände zugunsten ihrer Macht herbeiführen und willkürlich das Parlament auflösen. Auch hier hat Locke eine Lösung: das Widerstandsrecht. Die Menschen können sich von dem Widerstandrecht Gebrauch machen, wenn der Staat die Rechte nicht gewährt und seine Macht missbraucht. Auch das ist ein Menschenrecht, das beansprucht werden kann.

Lockes Idee der Menschenrechte und des politischen Gemeinwesens in der Wirkungsgeschichte:

  • Vorreiter der Menschenrechte: Einfluss auf Bill of Rights (1787) der USA
  • Vorreiter der Gewaltenteilunsglehre: von Locke zu Montesquieu
  • Begründer des Liberalismus (?)

Über den menschlichen Verstand

John Locke war durch seine Forschung an Philosophie und Naturwissenschaft einer der Vertreter des Empirismus. Seine Auffassung von Erkenntnisgewinnen schrieb er im „Essay Concerning Human Understanding“ nieder. Er ist der Auffassung, dass Erkenntnisse und Wissen durch Erfahrung gewonnen werden. Dabei nimmt er an, dass unser Geist vor der Erfahrung ein „unbeschriebenes Blatt“ (tabula rasa) sei. Die Erfahrungen sammeln wir mit unseren Sinnesorganen, mit denen sich der Geist beschäftigt, er nennt dies die Sensation. Ideen der Sensation sind beispielsweise Farben und Geschmack. Andere Erfahrungen stammen beispielsweise aus den eigenen inneren Operationen des Geistes, welche als Reflexion bezeichnet wird. Das sind Ideen, die nicht durch die Außenwelt erlangt werden, wie zum Beispiel denken, glauben und fühlen. Die Wahrnehmungen Sensation und Reflektion bilden somit das Material für unseren Geist.

john-locke.txt · Zuletzt geändert: 2021/02/17 20:34 von eric